Bericht der NRZ vom 13.02.2015

 

„Der Neue“ musste Schlips lassen

12.02.2015 | 19:00 Uhr

„Der Neue“ musste Schlips lassen
Zahlreiche bunt kostümierte Möhnen feierten im Weseler Rathaus mitFoto: Gerd Hermann

Beim traditionellen Rathaus-Sturm feierte die Weseler Verwaltungsspitze mit zahlreichen Möhnen. Der Erste Beigeordnete Daniel Kunstleben opferte seine Krawatte.

Besser hätte sein Timing wohl kaum sein können: Noch keine zwei Wochen im Amt, gerade pünktlich vor den jecken Tagen sein neues Büro im Weseler Rathaus bezogen, da stand am Donnerstag auch schon gleich die erste ganz große Aufgabe für den neuen Ersten Beigeordneten Daniel Kunstleben an. Obwohl – genau genommen musste der 34-Jährige selbst gar nicht viel tun, dafür aber einiges mit sich machen lassen. Denn in einem Rathaus, in dem sich die Bürgermeisterin am Altweiber-Donnerstag regelmäßig mit den Möhnen verbündet, muss dann nun mal der Mann an ihrer Seite dran glauben und Schlips lassen.

Daniel Kunstleben nahm’s gelassen. Was blieb ihm auch anderes übrig, als Ulrike Westkamp unter dem Jubel der zahlreichen bunt verkleideten Möhnen im Rathaus-Foyer verkündete, sie habe „heute an meiner Seite einen neuen Mann, der für mich Kopf und Krawatte hinhalten kann.“ Und als gleich darauf Prinzessin und Obermöhne Kristin I. mit der Schere auf ihn zukam, wusste Kunstleben wohl, dass eine Flucht sowieso aussichtslos sein würde, auch wenn seine Chefin vermutete: „Ich glaube, er würde lieber Akten studieren, anstatt sich mit wilden Weibern zu amüsieren.“ Nichtsdestotrotz bewies der Beigeordnete Humor, schunkelte und sang kräftig mit und hatte bei den Möhnen spätestens dann einen Stein im Brett, als Ulrike Westkamp versprach: „Daniel Kunstleben wird mich im Amt unterstützen und heute fleißig alle Weselerinnen bützen.“

Gebützt wurde beim Rathaussturm – wie es sich im Karneval gehört – eine Menge, aber auch kräftig zu jecken Liedern gesungen, geschunkelt und getanzt, mit dem ein oder anderen gekühlten Getränk angestoßen. Kurz gesagt: Die Stimmung zum Start in das närrische Wochenende war super.

Das fand auch Prinzessin Kristin, die in ihrem Möhnenkostüm erst auf den zweiten Blick zu erkennen war und kräftig mit den Weseler Damen feierte. Dass dabei in ihrer Ansprache an die verkleideten Möhnen die Männer ihr Fett weg bekamen, gehört ja dazu. Ihr Leben als Prinzessin habe sie sich anders vorgestellt, sagte Kristin. „Ich dachte, die Männer würden mich auf Händen tragen, aber sie tun nur noch mehr Blödsinn sagen“, reimte sie. Mit dem symbolischen Rathaus-Schlüssel in der Hand wurde die Prinzessin dann aber versöhnlich und forderte die Möhnen auf, nicht zu sehr über die Männer zu klagen. „Wir können sie doch ganz gut vertragen.“

Gabi Kowalczik

Frauenpower und jecke Weiber

12.02.2015 | 21:21 Uhr

Frauenpower und jecke Weiber
Am Donnerstagluden kfd und Landfrauen zum närrischen Nachmittag, dreistündiges Programm, dann Party Veranstaltungsort: Gaststätte Pooth Dorfstraße 3Foto: Heinz Kunkel

In Bislich tanzten die Mäuse, in Ginderich tobte das Zelt und in Büderich stieg sogar der Pastor beim Frauenkarneval in die Bütt. Tolle Stimmung bei den Kfd-Sitzungen

Bester Stimmung waren die jecken Weiber in Ginderich gestern bereits am Nachmittag. Unter dem Motto „Frauenpower wunderbar – wir starten neu in diesem Jahr“ feierten sie als Teufel, Hexen, Katzen und Prinzessinnen kostümierten Närrinnen im Festzelt. „Ein dreifaches Kiwitt Helau!“, heiß es nach dem schwungvollen Biene-Maja-Tanz der St.-Franziskus-Kindergartenkinder. Wenig später präsentierte Sabine Döring mit der Gruppe Frauenpower den Tanz „Drums Alive“. „So geht Ginderich“, waren sich die feierlustigen Frauen sicher. Auf dem mehr als dreistündigen Programm standen weitere Tänze, eine Rede von Tante Rosi, der Überraschungsauftritt von Lady Red, die Hörner-Tee-Tanten und die Schlümpfe. Mit Spannung warteten die Frauen auf das Gindericher Männerballett.

Wilder Westen

Bei den Nachbarn in Büderich durfte sich gleich ein Mann unter die Damen mischen: Pastor Georg Zglinnicki verfolgte aber nicht nur das närrische Treiben unter dem Motto „Wilder Westen“ – er stieg selbst in die Bütt. Im Saal van Gelder zeigten beim Milchtüten-Sketch Kerstin Braem und Sabine Abram, dass ein Kaffeekränzchen schnell aus dem Ruder laufen kann… Auch hier hatten sich die wilden kfd-Weiber originell verkleidet: Indianer und Gefangene, Clowns und feine Damen – ein herrlich buntes Bild. Die Junge kfd hatte sich mit dem Märchen vom Froschkönig angekündigt und Hildegard Verhufen wurde „Die wilde Hilde“, ehe die Waschfrauen Stinna und Lisken an der Reihe waren.

Rund 140 Bislicherinnen kamen auf Einladung der kfd und der Landfrauen in den Saal von Haus Pooth. Nachdem die Crazy Kids als Bislicher Tanzmäuse den ersten großen Applaus erhielten, marschierte Marlies Knechten-Weber im Tarnanzug auf die Bühne und blickte auch auf Bislich: „Wenn demnächst der letzte Arzt aus unserem Ort weg ist, muss der Briefträger für unser Wohlbefinden sorgen – und zur Not einen Arzt rufen!“ Sie erwähnte den stufenlosen Eingang der Volksbank: „Dort kann man jetzt direkt bis zum Schalter fahren. Ein Mutiger hat’s wirklich versucht…“ Und auch das Malheur um die zu kurzen Pfähle am Anleger der Fähre Keer Tröch nahm sie aufs Korn: „Der Prüfer hatte ja nur nicht gemerkt, dass sein Zollstock abgebrochen war!“

Johannes Kruck

 

Bericht der Rheinischen Post vom 13.02.2015

 

Jecke Frauen an der Macht

Wesel. Die Altweiber-Party bei den Stadtwerken ist längst ein Klassiker in Wesel. Doch nicht überall, wo Möhne draufstand, war auch eine Möhne drin.
 

Franz Michelbrink betrat mit einem Lächeln im Gesicht das Zelt auf dem Gelände der Stadtwerke. Kein Wunder, wurde er doch links und rechts von zwei hübschen Möhnen flankiert. Anna-Lena Lamping und Pia Giesen, die zum zweiten Mal für die Organisation der traditionellen Stadtwerke-Party verantwortlich waren, hatten sich bei ihrem Chef eingehakt. Es folgten mehr als 20 Möhnen, allesamt in Blaumänner gewandet. Michelbrinks Schlips war da schon genauso Geschichte wie die Krawatte von Frank Merten, dem zukünftigen kaufmännischen Geschäftsführer der Netzgesellschaft, einer Tochter der Stadtwerke.

Genau diese neue Gesellschaft hatten sich die Mitarbeiterinnen als Motto für die Altweiber-Party ausgedacht. Zur Melodie des Ärzte-Songs "Westerland" sangen die Stadtwerke-Möhnen: "Wir wollen heute feiern getreu dem Motto NSG, für uns heißt das nicht Netzgesellschaft, sondern Never Say Goodbye." Und weiter hieß es: "Wir sind eine Firma, wo wir sitzen, ist egal." Michelbrink klatschte begeistert mit, verteilte "Riesen-Komplimente" an die Damen für die Organisation des Festes, das schön geschmückte Zelt und nicht zuletzt für den schönen Song. Die neuen Mitarbeiter der NSG waren in der Folgezeit leicht auszumachen, denn sie erhielten von den Möhnen gelbe Bauhelme.

Anschließend machte Michelbrink mit einem Schmunzeln deutlich, dass letztlich doch die Männer "die Krone der Schöpfung" seien. "Heute haben wir allerdings sehr gerne nicht das Sagen. So können wir morgen ganz beruhigt sagen, dass wir hierfür nicht verantwortlich waren." Sprach's aus und wippte und hüpfte sogleich eifrig zu den Beats von DJ Klaus. Die Stadtwerke-Mitarbeiter taten es ihm gleich, denn die ersten 90 Minuten der Party gehörten ausschließlich ihnen. Erst danach trudelten so langsam die närrischen Gäste in zum Teil fantasievollen Kostümen ein. Michelbrink rechnete mit mehr als 700 Besuchern. "Es gibt Leute, die fragen bereits im Oktober nach den Tickets", sagte er. VON MICHAEL ELSING