Bericht der Rheinischen Post vom 27.02.2014

Anne I.

Die Prinzessin mit Frosch und ohne Prinz

 

 

Anne I.: Die Prinzessin mit Frosch und ohne Prinz
Närrischer Besuch in der RP-Redaktion am Großen Markt: Prinzessin Anne I. überreicht mit einem unwiderstehlichen Lächeln RP-Redakteur Bernfried Paus den Prinzenpaarorden. Die hohe Auszeichnung sorgte für gute Laune. Annes Markenzeichen, der Kuss des Frosches, ziert sogar ihr Handy. FOTO: Bosmann/Hülser

 

 

Wesel. Wesels Karnevalsprinzessin Anne (Holtkamp) hat gestern mit ihrem jecken Hofstaat die RP-Redaktion besucht. Im Interview erzählt sie, wie sie auch ohne Prinz die Herzen der Narren erobert und welche Beziehung sie zu Fröschen hat.
 
 

WESEL Anne I., die mit bürgerlichem Namen Holtkamp heißt, wird in die Geschichte des Weseler Karnevals eingehen. Schließlich ist die 26-jährige Sozialarbeiterin die erste Prinzessin, die ohne Prinz an ihrer Seite regiert. Mit ihrer Rolle als Alleinherrscherin kommt der Frosch-Fan bestens zurecht, wie sie gestern beim Besuch der Weseler RP-Redaktion betonte.

Zu Beginn eine etwas hinterhältige Frage: Den Prinzenpaar-Orden ziert ein Bild, auf dem Sie den Froschkönig küssen. Erster Teil der Frage: Was haben Sie mit Fröschen zu tun? Zweitens: Was passiert mit dem Frosch nach dem Kuss?

Anne I. Seit ich ein Kind bin, hat mich der Janosch-Frosch Günther Kastenfrosch fasziniert. Und mittlerweile sammle ich alles, was mit Fröschen zu tun hat.

Und die Sache mit dem Kuss?

Anne I. Aus dem wird im Grimm'schen Märchen ein Prinz.

Sorry, stimmt so leider nicht.

Anne I. Doch.

Auch wenn's unlogisch ist: Der Frosch wird von der Prinzessin an die Wand geworfen und verwandelt sich dann in einen Prinzen. Die Geschichte vom Frosch, der sich nach einem Kuss in einen Prinzen verwandelt, finden wir bei Wilhelm Busch. Themenwechsel: Der vorgesehene Prinz an Ihrer Seite ist im Oktober kurzfristig aus persönlichen Gründen abgesprungen. Haben Sie nie daran gedacht, mit Ihrem Mann zu regieren?

Anne I. Den wollte ich nicht haben (lacht herzlich). Nee, im Ernst: Er ist der Prinz in meinem wahren Leben, den brauch' ich im Karneval nicht.

Wie ist das so für Sie als Einzelkämpferin?

Anne I. Echt cool. Klar habe ich mich nach der plötzlichen Absage des Prinzen zunächst gefragt, was ich jetzt tun soll. Aber schnell war klar, dass ich es auch alleine mache. Und ich bin ja nicht die einzige Alleinherrscherin. In Brünen und Ossenberg regieren auch nur Frauen.

 

Als Prinzessin sind Sie von Männern umschwärmt. Ist Ihr Mann denn da nicht eifersüchtig?

Anne I. Nein. Er findet das alles total gut. Wir sehen uns auch im Karneval sehr häufig, weil er ja Stabsführer im Fanfarencorps ist. Tatsächlich ist es so, dass mich viele Männer zum Tanzen auffordern, ein Foto mit mir zusammen machen oder mit mir etwas trinken möchten. Aber alle sind wirklich sehr, sehr nett.

Mit dem Rathaussturm beginnt heute die Hochzeit des Karnevals. Worauf freuen Sie sich besonders?

Anne I. Auf alles: Auf die Altweiber-Partys bei den Stadtwerken und abends in der Niederrheinhalle. Samstag besuchen wir die Seniorenheime und die Vereine, die Wagen bauen. Am Abend lädt der CAW erstmals zum närrischen Feierabend in den Parkettsaal. Sonntag ist Eselordenverleihung, Montag dann der Zug.

Gab es etwas, was Sie überrascht hat?

Anne I. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel positives Feedback bekomme. Zumal anfangs ältere Karnevalisten Zweifel hatten, ob ich das alleine packe. Man wächst mit den Aufgaben. Und ich hätte nicht gedacht, dass mir so viele mit meinem Frosch-Motto eine Freude machen.

Beispielsweise?

Anne I. Auf der Damensitzung kam der Nummern-Boy im Froschkostüm. Nach einem Kuss von mir hat er sich den Oberkörper freigemacht und mich auf Händen getragen. Das kam richtig gut an.

KLAUS NIKOLEI FÜHRTE DAS GESPRÄCH

 

Bericht der NRZ vom 28.02.2014

 

Wesel.
Echt, vom Pickel bis zur Sohle
28.02.2014 | 00:16 Uhr

Wesel. Fast möchte man an dem gezwirbelten Kaiser-Wilhelm-Bärtchen zuppeln. Ob der wohl echt ist? Ist er. Walter Heuken ist vom Pickel seiner Haube bis zur Sohle preußischer Wachtmeister. Er begleitet Ihre Lieblichkeit Anne I. derzeit durch alle Widrigkeiten des Tollitätendaseins. Und er fällt auf. „1976 hat mich jemand gebeten, die Vertretung zu übernehmen“, erinnert sich der 73-Jährige. Er übernahm Job und Uniform. „Aber das war eine Artillerie-Pickelhaube und an der Jacke war Zeug, das nicht daran gehört.“ Admiralskappen und Eichenlaub haben an einer Wachtmeisterschulter nichts zu suchen.

Als ihm dämmerte, dass er dabei bleiben würde, ging er das Problem gründlich an. In einem Kostümgeschäft in Korschenbroich fand er die richtige Haube aus Leder – mit dem falschen Pickel. „Ich habe sämtliche Kisten durchwühlt’“, erzählt er. Und in der letzten, ganz unten, fand er den korrekten Pickel und ließ die Haube umarbeiten. Um 1000 D-Mark ärmer, dafür aber um eine authentische Kopfbedeckung reicher, kehrte er nach Wesel zurück. 1980 war das.

Zwei Jahre später folgte eine anständige Jacke, obwohl sie Walter Heuken noch viel zu sehr nach Kostüm aussah. Sie hielt immerhin 24 Jahre lang. Erst 2006 ging Wachtmeister Heuken der Jackenfrage erneut nach, diesmal wissenschaftlich.

„Ich habe im PreußenMuseum gefragt, ob sie keine Vorlagen für preußische Polizeiuniformen haben.“ Sie hatten und halfen gern. Heuken ließ sich das gute Stück nach historischem Vorbild schneidern. Und er ging noch weiter: Statt der glatten, ließ er sich auch Knöpfe nach alten Vorbild gießen. 22 an der Zahl. Einziges Zugeständnis: Seine sind aus Messing, die Originale waren aus Silber. Seine Brille hat runde Gläser - auch im wirklichen Leben. Und der Bart? „Den hatte ich schon vorher.“

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Wesel.

Echt, vom Pickel bis zur Sohle

28.02.2014 | 00:16 Uhr

Fast möchte man an dem gezwirbelten Kaiser-Wilhelm-Bärtchen zuppeln. Ob der wohl echt ist? Ist er. Walter Heuken ist vom Pickel seiner Haube bis zur Sohle preußischer Wachtmeister. Er begleitet Ihre Lieblichkeit Anne I. derzeit durch alle Widrigkeiten des Tollitätendaseins. Und er fällt auf. „1976 hat mich jemand gebeten, die Vertretung zu übernehmen“, erinnert sich der 73-Jährige. Er übernahm Job und Uniform. „Aber das war eine Artillerie-Pickelhaube und an der Jacke war Zeug, das nicht daran gehört.“ Admiralskappen und Eichenlaub haben an einer Wachtmeisterschulter nichts zu suchen.

Als ihm dämmerte, dass er dabei bleiben würde, ging er das Problem gründlich an. In einem Kostümgeschäft in Korschenbroich fand er die richtige Haube aus Leder – mit dem falschen Pickel. „Ich habe sämtliche Kisten durchwühlt’“, erzählt er. Und in der letzten, ganz unten, fand er den korrekten Pickel und ließ die Haube umarbeiten. Um 1000 D-Mark ärmer, dafür aber um eine authentische Kopfbedeckung reicher, kehrte er nach Wesel zurück. 1980 war das.

Zwei Jahre später folgte eine anständige Jacke, obwohl sie Walter Heuken noch viel zu sehr nach Kostüm aussah. Sie hielt immerhin 24 Jahre lang. Erst 2006 ging Wachtmeister Heuken der Jackenfrage erneut nach, diesmal wissenschaftlich.

„Ich habe im PreußenMuseum gefragt, ob sie keine Vorlagen für preußische Polizeiuniformen haben.“ Sie hatten und halfen gern. Heuken ließ sich das gute Stück nach historischem Vorbild schneidern. Und er ging noch weiter: Statt der glatten, ließ er sich auch Knöpfe nach alten Vorbild gießen. 22 an der Zahl. Einziges Zugeständnis: Seine sind aus Messing, die Originale waren aus Silber. Seine Brille hat runde Gläser - auch im wirklichen Leben. Und der Bart? „Den hatte ich schon vorher.“