Bericht der Rheinischen Post vom 04.03.2014

Wesel helau! Zuch von Krähen bis Störchen einfach tierisch gut

 Aufwendige Kostüme und Mottowagen beim Rosenmontagszug 2014 in Wesel

Wesel.

7500 jecke Zuschauer erlebten einen knallbunten Zuch. Die RP war mit ihren Juroren dabei, um die besten Fußgruppen und Prunkwagen zu küren. Die Polizei sprach von "friedlichem Verlauf". Von Michael Stein

 
Es war ein langer Tag für Wesels Prinzessin, die vielen Tausend Narren am Rand des Rosenmontagszuges und natürlich für die drei Juroren der Rheinischen Post. Pünktlich um 10.11 Uhr standen Daniela Staude, Heike Beuting und Inge Gondorf am Kolpinghaus. Hier gab es für die drei "Schiedsrichterinnen" erst einmal ein kräftiges Frühstück zur Stärkung für die kommende schwere Aufgabe.

Fita Moshövel, Chef des Carnevals-Ausschusses Wesel (CAW), begrüßte die drei Damen und ging noch einmal auf die Gründe dieser Jury-Premiere ein. Erstmals wurden bekanntlich Fußgruppen und Prunkwagen nicht von professionellen Karnevalisten, sondern von Weseler Bürgern bewertet (die RP berichtete). "Wir wollen damit die Verbindung der Bevölkerung zum Karneval stärken", so Moshövel zu dieser Neuerung.

Die drei Damen waren zu Beginn noch etwas aufgeregt, was sich aber nach dem ersten Kennenlernen mit den Karnevals-Oberen und natürlich mit Prinzessin Anne I. nebst Gefolge schnell legte. Inge Gondorf sagte: "Ich war schon vor vielen Jahren bei den Eselorden-Sitzungen dabei." Nach dem Frühstück ging es fürs Jury-Trio zum Zug. Bewaffnet mit Block und Stift wurden sofort eifrig Notizen gemacht.

So gab es erste bewundernde Blicke schon bei den "Teufeln" der Büdericher KKG, aber auch der außer Konkurrenz laufende Wagen des Kinderprinzenpaares gefiel der Jury sichtlich. "Einfach super", so Daniela Staude. Es folgte eine Fußgruppe mit viel Party-Power im "DJ-Ötzi-Sound", aber auch die Holtkamp-Gruppe als Störche im Anschluss wussten zu gefallen. Der KVC mit seinem Jubiläumswagen oder auch "Mittendrin statt nur dabei", die sich für mehr Bäume an den Rhein einsetzten, um der Krähenplage zu entgehen, begeisterte die Jury. "Klasse, was die alles auf die Beine stellen", zeigte sich Heike Beuting positiv überrascht. Prinzessin Anne I. erlebte ihren großen Tag auf dem mächtigen "Prinzessinnenwagen" und warf mit Kamelle nur so um sich. Auch diese Aufgabe bewältigte sie ohne Prinz mehr als souverän. Unterstützt wurde sie dabei traditionell von der Prinzen-Garde der Stadt Wesel. Der Elferrat der Kolpings-Familie bewies in diesem Jahr aktuelles politisches Gespür und thematisierte die Südumgehung.

"Das dauert alles so lange, da machen wir uns eben unsere eigene", so der Tenor. Bei der Jury herrschte danach auch eine breite Zustimmung bei der Vorbeifahrt des Prunk-Wagens vom Feldmarker Karnevals-Komitees (FKK). Sie hatten Bischof Tebartz van Elst aufs Korn genommen: "Du sollst nicht lügen", stand da zu lesen. "Klasse", urteilte Daniela Staude, "genau dafür ist der Karneval da." Nach dem Ende des Zuges wurde es dann in der Niederrhein-Halle Ernst für die Juroren. Schnell fand das Team ein gemeinsames Ergebnis. Bei den Fußgruppen ging der dritte Platz an die Gruppe "Maiboom" mit dem DJ-Ötzi-Thema. Platz zwei erhielt die Gruppe "Holtkamp" für ihr Storchen-Outfit. "Gold" ging in diesem Jahr an den Verein "Wir sind immer dabei" und ihre "Bäume an den Rhein".

Übereinstimmung bei der Jury gab es auch bei den Wagenbauern. Dort erhielt der KVC mit seinen Tanzwieseln den Preis für Platz drei. Das Bischof-Thema des FKK bekam den zweiten Preis und wurde nur noch vom Kolping-Komitee übertroffen, die für ihre Südumgehung mit deutlichem Vorsprung den ersten Preis in Händen halten durften.

"Es hat uns sehr viel Spaß gemacht", resümierten alle drei Damen in der Jury. Zufrieden war auch der CAW mit dem Verlauf des Zuges. Ebenso wie die Polizei, die wenig zu tun hatte und von einem "insgesamt friedlichen Verlauf" sprach.

 

Bericht der NRZ vom 04.03.2014

Karneval

Partystimmung beim Rosenmontagszug in Wesel

03.03.2014 | 18:46 Uhr

Partystimmung beim Rosenmontagszug in Wesel
Hallo, Taxi! Hübsch, hübsch diese Fußgruppe.Foto: Gerd Hermann

Weseler Karnevalisten zeigen kreative Mottowagen und hübsche Kostüme. Prinzessin Anne I. rockt den Rosenmontagszug. Auch hier kommt der Bischof von Limburg nicht ungeschoren davon

Das Volk liegt ihr zu Füßen, zeitweise sieht Prinzessin Anne I. nur Rücken. Aber ein schöner Rücken kann ja bekanntlich auch entzücken. Und deshalb greift sie schon wieder in die Kiste, schiebt beide Hände vor den Bauch, um die Kamelle mit Schmackes wieder aufs gemeine Fußvolk zu werfen. Unten am Boden wieder die gleiche Prozedur: Bücken, sammeln, freuen, futtern. Sie hat ihr Volk im Griff. „Wo ist denn der Prinz?“, will eine Weselerin von ihrem Mann wissen. Der zuckt nur mit den Schultern. Naja, nicht da. Wer braucht schon einen Prinzen? Das bisschen Karneval kann Anne I. auch alleine. Gemeinsam mit ihren Paginnen rockt sie den Wagen, singt, jubelt, winkt. Und all das mit einer Leichtigkeit, die Lust auf Karneval macht. Wesel helau!

Am Kaufhof legt der Zug gerade eine Pause ein. So haben die Schaulustigen genügend Zeit, um zu gucken. Und das lohnt sich, steckten die Karnevalisten doch viel Herzblut und Ideenreichtum in die Gestaltung ihrer Wagen und Kostüme. Da sind die „Weseler Früchtchen“, die als süße Banane oder knackiger Apfel daher kommen. „Wir sind nicht alle davon begeistert“, sagt Frank Hötten lachend bei der Aufstellung des Zuges. Ach, sei kein Frosch... Davon gibt’s ja heute auch schon genügend auf den Straßen in der Innenstadt. Wie der, der stets in seine weiße Umhängetasche greift und für einen kleinen Konfettiregen sorgt. „King of Love“ steht hinten auf seinem Kostüm. Jaja, die Liebe... Da verteilt Prinzenführer Luc Luftbützchen vom Prinzessinnenwagen in die Menge, eine Pagin formt mit ihren Fingern ein Herzchen und hält es in die Luft. Und auf der Hohen Straße versucht ein Pinguinmännchen, sich an eine Pinguindame anzunähern. Liebe, Luft, Karneval...

Bäume und Bienchen

Hübsch anzusehen sind auch die Bäume, die bittschön an die Rheinpromenade verpflanzt werden wollen. Ein Weseler Thema greift auch die Kolpingsfamilie auf. Ein idyllisches Bild mit Angler an der Lippe und Frau im Bikini gibt der Wagen unter dem Motto „Südumgehung – Karibisch“ ab. Und zu guter Letzt thront der Bischof von Limburg hochnäsig über dem Traktor, der den Wagen mit lauter Brüdern und Schwestern aus der Feldmark durch die Straßen zieht. Von der zuckersüßen Seite zeigen sich Wagen und KVC-Jecken, die mit Torten auf den Köpfen das 25-jährige Bestehen der Tanzwiesel feiern. Apropos feiern: Einen Tiroler Hit nach dem nächsten schmettert die Fußgruppe Maiboom, die als DJ Ötzi und Antonia für Stimmung sorgt und die passende Choreographie dazu auf den Asphalt legt.

Nach knapp einer Dreiviertelstunde lässt der Rosenmontagszug mit seinen 35 Fußgruppen und Wagen die Korbmacher- und Kreuzstraße hinter sich und das große Pilgern beginnt. Wie auf Kommando setzen sich die Sträflinge, Bienchen, Polizistinnen und Punks in Bewegung und steuern den Platz rund um das Berliner Tor an, wo sich der Geruch von Bier und Bratwurst vermischt. Ein DJ heizt hier ein, Helenes Fischers „Atemlos“ bahnt sich den Weg durch künstliche Nebelschwaden und Mickie Krause fordert wie so oft „Schatzi, schenk mir ein Foto“.

Nach fast einer Stunde kommt auch hier der Zug an, die Insassen der Wagen scheinen großzügiger als noch zu Anfang, werfen Popcorn, Chips. Sogar Hüte, Zitronenpressen und Bälle fliegen durch die Luft. Und wer ganz nah dran steht am Zug, bekommt ein Stiefmütterchen in die Hand gedrückt. Da bückt sich längst nicht nur der kleine Jeck, auch die Senioren probieren sich an der Rosenmontagsgymnastik.

Niklas und Angelina, die als Clown und als Hummel unterwegs sind, haben ihre Tüte schon gut gefüllt. Aber nur, weil sich Janine Rehfeldt mit ihren Kindern vorgedrängelt hat, gibt sie zu. Sie sind Stammgäste beim Weseler Zug, den Janine „nicht schlecht“, aber „ziemlich kurz“ findet.

Denise Ludwig und Michael Turek

 

Schönheitswettbewerb
Die neue Jury hat entschieden



Das war neu: Bislang hatten Karnevalisten aus der Umgebung die Wagen und Fußgruppen des Weseler Rosenmontagszuges begutachtet und dann die Preisträger ermittelt. Gestern durften erstmals „Nichtjecken“ das Urteil fällen. Für die sechs Juroren, darunter die drei NRZ-Leser Margret Radsak, Rainer Krebbing und Martin Lambert, begann der Rosenmontag mit einem Frühstück bei den Jecken. Geschichten über den Karneval wurden ausgetauscht, Fotos mit Prinzessin Anne I. gemacht. Und dann ging es zum Zug: Einstimmig war das Ergebnis der Jury, das bei der abschließenden Feier in der Niederrheinhalle verkündet wurde: Bei den Wagen landeten die Kolping-Jecken auf den ersten Platz. Sie hatten das Thema Südumgehung aufgriffen. „Aktuell und mit lokalem Bezug“, so die Jury. Auf den zweiten Platz setzte sie die FKK-Wagenbauer, die sich den Limburger Bischof Tebartz-van Elst vorknüpften. Den dritten Platz belegte die Geburtstagsgesellschaft vom KVC mit ihren Torten. Bei den Fußgruppen überzeugte die Jury die Teilnehmer der Gruppe „Wir sind immer dabei“: Sie brachten das Krähen-Problem über den Rhein. Auf den zweiten Platz setzte die Jury die Störche der Familie Holtkamp. Sehr originell seien die Kostüme, so das Urteil. Und auf Platz drei kam die Fußgruppe DJ Ötzi & Antonia, hier steckte Familie Maibom dahinter.

 

 

Bericht der Rheinischen Post vom 04.03.2014

Ginderich gelingt die Lösung der Krähenplage
 
Wesel. "Kiwitt, helau": Familien mit Kindern kamen beim 25. Bollerwagenzug in Ginderich voll auf ihre Kosten. Von Cornelia Krsak
 
 

"Kiwitt, helau", schallte es gestern durch die von Jecken gesäumten Straßen in Ginderich. Zum 25. Mal rollte der Bollerwagenzug durch den Wallfahrtsort. Vor allem Familien mit Kindern kamen bei dem närrischen Umzug voll auf ihre Kosten. Acht Fußgruppen, angeführt vom Elferrat der KGV, nahmen an dem bunten Spektakel teil. Neben kreativen Kostümen und bester Laune gab es Kamelle satt.

"Blumen bunt und Winterspeck, das Männerballett ist immer jeck", war auf dem Bollerwagen des KGV-Männerballetts zu lesen. Als Gärtner mit Minitreibhaus und Frühlingsblumen sorgte die Gruppe für Farbtupfer am grau-bewölkten Rosenmontag. "Unsere Frauen entscheiden, und wir müssen es ertragen", stellte Patrick Dahmen augenzwinkernd die Hierarchie innerhalb der lustigen Truppe klar.

Der Kegelclub "Die Pudel-Asse" lief als betagter Seniorenclub auf. Die Rollatoren waren als Lager für das Wurfmaterial ideal geeignet. "Wir wollen etwas für unsere Alten im Dorf tun", erklärte Sonja Hinze die Kostümwahl.

"Der Piratentreff bis Ostern ruht nach sinnloser Zerstörungswut", reimte der Spielmannszug und bezog sich dabei auf Vandalismus im Piratentreff der Gindericher Grundschule. "Unsere Frauen kommen als Schatzkisten, weil sie unsere größten Schätze sind", sagte Pirat Klaus Schöbel.

 

 

Die Krähenplage im Nachbardorf Büderich wurde gleich von zwei Gruppen aufgegriffen. Bei den "Schnuckeligen Schluckies" ließen sich die Frauen als Krähen von ihren als ASG-Mitarbeiter verkleideten Männern "umsiedeln". Die Gruppe um Schützenkönigin Kornelia Dicks besteht aus Büderichern und Ginderichern und widmet sich seit Jahren der "Völkerverständigung" zwischen den beiden Dörfern. Die bunte Vogelschar um Frank Hovestadt hielt die Krähen aus Büderich allein durch ihre Anwesenheit fern.

Der Kegelclub Ebis & Co stellte sich als "Wahlhelfer" zur Verfügung. "Wir suchen einen Esel für Wesel", meinte Marie-Therese Bauer. Nach Büderich sei bald auch Ginderich mit einem eigenen Bürgermeisterkandidaten an der Reihe. Auch eine bunte Gruppe jecker Indianer und Cowboys sowie orientalische gekleidete Damen nach dem Motto "Jusuf Lohamet in der Wunderlampe" bevölkerten den Bollerwagenzug. Nach dem Umzug wurde im Festzelt an der Schützenwiese zünftig weitergefeiert.

Die schönsten Wagen und Gruppen wurden prämiert. Auf dem ersten Platz landete die Gruppe Furthmann "Bunte Vögel". Zweiter wurde die Gruppe Dams mit dem "Wilden Westen". Den dritten Platz belegten die Pudelasse mit dem Thema "Altersheim". Als Prämie gab es für den ersten Platz ein 7,5-Liter-Fass Bier, für den zweiten ein Fünf-Liter Fass und für den dritten Platz ein Tablett Bier. Für die Kinder wurden alkoholfreie Getränke ausgeschenkt.