Bericht der NRZ vom 17.02.2015

 

Waschweiber und Wilder Westen

16.02.2015 | 17:45 Uhr

Waschweiber und Wilder Westen
Fabelwesen am Streckenrand.Foto: Markus Joosten

28 Zugnummern erfreuen beim Weseler Rosenmontag rund 12 000 Narren. Perfektes Wetter sorgte für tolle Stimmung auf den Wagen, bei den Fußgruppen und am Rande der Zugstrecke.

Mit einem überdimensionalen Waschbottich, riesigem Waschbrett und voll behängter Wäscheleine zogen die Weseler R(h)einwäscherinnen durch die mit Narren gesäumten Straßen der Hansestadt.

Ingrid Wüstefeld, eine der originell kostümierten Waschweiber dieser Zugnummer, erläuterte das Motto der Gruppe, die sich als „Anhängsel der Prinzengruppe“ bezeichnet: „Wir Weseler Wäscherinnen würden weiße Wäsche waschen, wenn wir wüssten, wo warmes Wasser wär.“

Lokalpolitisch nahm der Elferrat der Kolpingsfamilie die Diskussionen um die Tempo-30-Zone Issel­straße aufs Korn: Autos mutierten bei der von Wagenbaumeister Heinrich Brincks entworfenen Nummer zu Schnecken, die an einem Blitzkasten vorbeikriechen. „Wesel bremst sich aus!“, stellten die Karnevalisten fest.

Den Wilden Westen holte die Kleine Karnevalsgesellschaft Büderich (KKG) nach Wesel – 25 Cowboys und Indianer sorgten für prächtige Stimmung auf ihrem Wagen.

Das Narrenvolk am Straßenrand strahlte mit der Sonne um die Wette. Das war wie eine Steilvorlage für die Gruppe „Wir sind immer dabei“: Unter dem Motto „Sommer, Sonne, Auesee“ thronte hoch auf ihrem originellen Wagen Tilli Eben als „Miss Auesee“. Dahinter folgten jede Menge laufende Planschbecken. Eine fantastische Idee!

In den 80er-Jahren hängen geblieben war die Fußgruppe „Draußen ein Kännchen“, die als 40 Dieter-Bohlen- und Thomas-Anders-Doubles mit Gitarren, Mikrofonen und den passenden Outfits das Pop-Duo „Modern Talking“ wieder aufleben ließen – einfach köstlich!

Sehr originell auch die mittelalterliche Ritterburg des Karnevalskomitees Vorm Clever Tor (KVC): Die Narren zogen Wesels Stadtjubiläum einfach um ein Jahr vor, so dass sie bereits jetzt einen Grund zum Feiern hatten: „Der KVC wieder eine Nasenlänge voraus – 774 Jahre Hansestadt Wesel. Wir starten den Countdown.“

Ebenfalls weit voraus sein wollte das Feldmarker Karnevalskomitee (FKK), dessen Mitglieder bajuwarisch verkleidet mit einem Mega-Bierfass der Marke „Esel-Bräu“ bereits gestern das erste Oktoberfest des Jahres starteten. Ihre Begründung: „Überall gibt es neuerdings Oktoberfeste. Wir wollten dieses Jahr die Ersten sein!“

In der Hansekogge Vesalia hisste das „närrische Parlament der Stadt Wesel“ mit Bürgermeisterin Ulrike Westkamp das große Segel. „Wir führen die Stadt durch schwere See“, erläuterte Seemann Frank Schulten. Indisch kostümiert zog die Junge Familie „Bollywood“ sogar einen Elefanten hinter sich her.

Ebenfalls ein echter Hingucker: Die 60 kleinen und großen laufenden Sonnenblumen vom Kindergarten Sonnenblumenhaus.

Johannes Kruck

Bericht der Rheinischen Post vom 17.02.2015

 

Wesel von oben - voller Farbtupfer
Wesel. Was für ein Fest! Was für ein Wetter! Bei strahlendem Sonnenschein zog der Rosenmontagszug durch die Straßen, vorbei an rund 12.000 friedlich feiernden Narren. Entsprechend großartig war die Stimmung auf dem "Eselwagen" der Prinzengarde. Von Michael Stein (Prinz 2008)
 

Deren Präsident Michael Lohmeyer war begeistert und ein bisschen stolz, schließlich hatte seine Truppe gleich drei Wagen im Start. Vorher galt es, noch einiges zu organisieren: "Wir mussten alleine 22 Wagenengel besorgen, ein Wahnsinn und verbunden mit hohen Kosten", so der Präsident.

 
Ein Garant für gute Laune im Weseler Karneval ist die Prinzengarde. FOTO: Malz, Ekkehart (ema)

Pünktlich um 12.30 Uhr setzte sich der närrische Zug am Kolpinghaus in Bewegung und zu lautstarken "Wesel Helau"-Rufen fielen die erste Kamelle auf die Jecken am Straßenrand. Bereits an der Martinischule wurde es richtig voll und der Tross stoppte zum ersten Mal. Lohmann nahm dies zum Anlass, die diensthabenden Polizisten zu begrüßen, und die Menge dankte es ihm mit Jubel. Mühsam setzte sich der Wagen in Richtung Kaufhof in Bewegung. Hier standen die Narren dicht an dicht. Zu den Klängen von "Brings" und "Höhner" schmiss die Garde, was das Zeug hielt. Die brav folgende Fußgruppe nutzte jede Verschnaufpause für eine spontane Polonaise: "Polka, Polka, Polka, vom Rhein bis an die Wolga". Wer da nicht mitmachte war wirklich selbst Schuld.

 
Platz eins bei den Fußgruppen belegte diese muntere Truppe mit dem Thema "Modern Talking". FOTO: Malz, Ekkehart (ema)

Unterdessen gab es wieder eine längere Unterbrechung. Thomas Holtkamp, Chef des CAW, klärte auf: "Das machen wir mit Absicht, schließlich müssen die Musikzüge auch mal Gelegenheit haben die schweren Trommeln abzusetzen". Kurz vor der Einfahrt zum Kornmarkt stand der Eselwagen am Seniorenzentrum Im Bogen erneut still. Die Bewohner waren begeistert und freuten sich über jede Menge Schokolade und Plüschtiere. Auch die Konfetti-Kanone leistete hier ganze Arbeit. "Du bist meine Liebe, meine Stadt und mein Verein", tönte es aus den Boxen und manch närrisches Auge wurde feucht.

 
Epizentrum Mathena-Kreuz: Dicht gedrängt jubeln die Narren dem Weseler Zuch zu. FOTO: Ekkehart Malz

Doch noch hatte die Garde viel Arbeit vor sich, schließlich stand der Höhepunkt am Berliner Tor noch bevor. Michael Lohmeyer schaute besorgt in die sich zunehmend leerenden Kisten mit dem Wurfmaterial. Doch alles ging gut. Auch die Menge am Berliner Tor kam am Ende nicht zu kurz. Was folgte war ein positives Fazit: "Wetter, Stimmung, Garde - alles bestens." Damit ist alles gesagt. Dreimal Wesel, Helau !!!

 

 

Weiter