Bericht der Rheinischen Post vom 17.02.2014

Prinzessin auf die Waage getragen

Wesel: Prinzessin auf die Waage getragen
Ein hübsches Leichtgewicht: CAW-Präsident Fita Moshövel hatte sichtlich Vergnügen daran, Prinzessin Anne I. zum Wiegen zu tragen.                             FOTO: Malz

Wesel. Im Kaufhof hoben Prinzessin Anne I. und Gefolge erst bei 150 Kilo Kamelle ab. Von Michael Stein

 

Laute Helau-Rufe ertönten Samstag zur besten Einkaufszeit vorm Kaufhof. Zum zweiten Mal hatte die Filiale zum Wiegen der närrischen Tollitäten eingeladen. Für den Rosenmontagszug stand dabei einiges auf dem Spiel. Das Gewicht der Jecken, die auf der einen Seite der Wippe saßen, wurde auf der anderen Seite bis zum Ausgleich mit Süßigkeiten vollgepackt, die dann beim Umzug von der Prinzessin unters Volk geworfen werden.

Bevor es aber so weit war, hatte in der Fußgängerzone das Fanfarencorps in bewährter Manier für karnevalistische Stimmung gesorgt. Zu den Klängen von "Joana" blieben zahlreiche Passanten stehen und klatschten mit. Gemeinsam mit Prinzessen Anne I., dem Kinderprinzenpaar und der Prinzengarde ging es dann hinein in den Kaufhof.

Leiterin Astrid Vogell outete sich als karnevalistisch vorbelastet: "Ich habe lange Jahre in Köln gearbeitet, da wurde das Dreigestirn immer gewogen. Das war eine richtig große Geschichte". Ganz soweit ist man in Wesel zwar noch nicht, doch immerhin fand die Veranstaltung schon zum zweiten Mal statt.

 

"Ab dem dritten Mal ist es doch Brauchtum oder?", fragte Vogell augenzwinkernd. Auch Michael Lohmeyer, Präsident der Prinzengarde war begeistert: "Schön, dass wir wieder hier sein dürfen!" Als Dankeschön zeigte die Garde ihr tänzerisches Können, bevor von CAW-Chef Fita Moshövel zu den Klängen von DJ Michael Blenk Prinzessin Anne I. auf die Wippe tragen durfte. Es folgte das Kinderprinzenpaar Gianluca I. und Leonie I., die beide ebenfalls für möglichst viel Gewicht sorgen wollten.

Fleißig packten die als Gärtner verkleideten Mitarbeiter des Kaufhofs Kiste für Kiste auf die andere Seite der Wippe, doch Bewegung wollte sich einfach nicht einstellen. Astrid Vogell schaute leicht zweifelnd drein und mutmaßte, dass ein Bleigürtel bei der schlanken Prinzessin im Spiel sei. Endlich hob sich am Ende aber die Waage. Mit einem lauten Tusch schwebten die Tollitäten in der Luft. Immerhin gut 150 Kilo Wurfmaterial hatten sich Jecken erkämpft – ganz ohne "großen" Prinzen. Prinzenführer Luc Eben war's zufrieden.

 

Bericht der NRZ vom 17.02.2014

 

Wesel.

Auf den Arm genommen

17.02.2014 | 00:14 Uhr

Auf den Arm genommen
Am Samstag, 15.02.2014, Prinzenwiegen im Kaufhof Wesel. Im Bild: Karl Friedrich (Fita) Moshšvel und Prinzessin Anne I ( Anne Holtkamp ).                   Foto: Markus Joosten / WAZ FotoPoolFoto: Markus Joosten

Eines ist so sicher wie das Helau im Weseler Karneval: Wer so strahlt wie Wesels Prinzessin Anne Holtkamp, der benötigt kein Hüftgold für zusätzlichen Glanz. Dass jedoch ausgerechnet die Traumfigur der Regentin die Weseler Karnevalisten vor ein Problem stellt, hätten sie sich bei der Proklamation am 30. November nicht träumen lassen.

Jecke Sparmaßnahmen

Bis am vergangenen Samstag das „Prinzenwiegen“ im Kaufhof anstand. Bei dieser erstmals im vergangenen Jahr in Wesel durchgeführten Aktion spendet das Unternehmen das Gegengewicht des Prinzen in Form von „Ballekes“ als Wurfmaterial für den Prinzenwagen. Beim Anblick der Prinzessin mit der Traumfigur war Kaufhof Geschäftsführerin Astrid Vogell noch guter Dinge. „In Köln wird das Dreigestirn aufgewogen, ich denke, so viel „Ballekes“ benötigen wir heute nicht.“ Da hat sie allerdings die Rechnung ohne die Weseler Narren gemacht, die der jecken Sparmaßnahme einen Riegel vorschieben wollten. Schnell wurden allerlei Maßnahmen in Erwägung gezogen, das Gewicht der Prinzessin auf eine Zahl zu bringen, die sich auch ohne Lesebrille erkennen lässt. Die Idee, ihr einen Tauchergürtel mit Bleigewichten unterzujubeln scheiterte noch am Veto der Regentin. Der CAW-Vorsitzende Karl Friedrich Moshövel hatte dann die vermeintliche Lösung parat: „Eine Blaublüterin darf nicht soviel laufen, ich nehme sie beim Wiegen auf den Arm.“ Der Vorschlag, das Prinzessinnengewicht (der Redaktion bekannt) auf diese Weise zu multiplizieren, sorgte umgehend für eine leichte Blässe im Gesicht der Kaufhof-Geschäftsführerin. Man einigte sich schließlich auf den Kompromiss, dass amtierende Kinderprinzenpaar Gianluca Lohmeyer und Leonie Quenter mit auf die Wippe zu setzen. Glücklich über die Einigung ließ Astrid Vogell noch ihren Sohn Viggo auf der gewinnbringenden Seite Platz nehmen. 150 Kilogramm waren erforderlich, um die Wippe in die waagerechte Position zu bringen. Etwa 400 Euro werden so an Kosten für Wurfmaterial eingespart. Auswirkungen auf die künftige Prinzenwahl soll es aber nicht geben, versichert Karl Friedrich Moshövel: „Wir wollen nicht, das jemand mit Untergewicht meint, er dürfe sich nicht melden. Zur Not steige ich auf die Waage.“ Am Ende erhielten die Weseler Jecken den Kaufhof-Karnevals-Orden. „Da steht das Kölner Karnevals-Motto drauf. In Köln ist halt unser Firmensitz“, entschuldigte sich Astrid Vogell. Das störte die Prinzessin mit Blick auf ihre süße Beute wenig.

Erwin Koh