Bericht der Rheinischen Post vom 11.02.2013

Wesel Kessler knurrt bei Eselordenverleihung

VON MARTHA AGETHEN - zuletzt aktualisiert: 11.02.2013

Wesel (RP). Der bekannte Comedian Michael Kessler bekam am Sonntag den Eselorden der Stadt Wesel. Widerspenstig nahm er die Auszeichnung an. Im Anschluss stieg er mit einem dreifach donnernden "I ah" nochmals in die Bütt.

 

Comedian Michael Kesser bekam am Sonntag den Eselorden verliehen. Daraufhin wollte er wohl auf dem Wesel-Esel flüchten.

 

 

"Alles was ich will, ist verboten, macht dick oder kostet zu viel" – Falsch, ihr lieben Höhner. Das gilt nicht für Wesel, die gastliche Stadt am Rhein. Denn die Massen strömten am Sonntag, kamen voll auf ihre Kosten und bezahlten null Euro und Cent für eine launige Karnevalsparty in der Niederrheinhalle, bei der die Stadt wieder einmal einen Prominenten mit ihrem Wahrzeichen, dem Eselorden, dekorierte.

Diesmal war es der fernsehbekannte Comedian, Schauspieler, Autor und Regisseur Michael Kessler, der immerhin als Erster von 37 Ordensträgern im Vorfeld mit einem Esel namens "Elias" umhergeritten war – nur leider nicht in Wesel, sondern in der Uckermark. Als ob es dort, in der "Toskana des Nordens", hübscher aussähe als am platten Niederrhein. Das hatte ihm den Orden eingetragen. Er sei übrigens auch noch mit einem Rasenmäher auf dem Brocken herumgefahren, ging nebenbei das Gerücht. Zur Strafe geriet Kessler, den alle noch vor Augen hatten, wie er kürzlich seinem Klon Günther Jauch beim Promi-Special "Wer wird Millionär?" Löcher in den Bauch fragte, in der Niederrheinhalle in einen dicken Konfetti-Platzregen, nachdem man ihn gelehrt hatte, sich auch auf dem bunten Weseler Langohr festzusetzen.

Existenz von Wesel nachgewiesen

Artig grüßte der Ritter anschließend Stadtoberhaupt Ulrike. Sie heizte ihm ordentlich ein, stellte sich erst mal höflich vor ("Ich bin gerne Bürgermeisterin in einer Stadt, die garantiert die meisten Esel Deutschlands hat!"), monierte aber dann: "Schließlich weiß jedes Kind, dass der Esel zur Bürgermeisterin von Wesel gehört und Frau Merkel zur Uckermark.

Auch die Umbenennung der Fähre "Kehr tröch" in MS Berlin sowie deren filmische Verlegung in die neuen Bundesländer nehmen wir nicht ungestraft hin". Eine Eselwanderung am Niederrhein ab Wesel gehört nun zu Kesslers Strafauflagen.

 

In seiner Erwiderung wehrte sich Kessler allerdings trefflich. "Liebe Weseler", knurrte er, als wolle er Ulrike fressen, "schwerwiegende Vorwürfe werden gegen mich erhoben. Fast hätte ich es mit Reich-Ranitzki gehalten und die Auszeichnung nicht angenommen. Ich telefoniere täglich mit Elias", drohte er. Und erklärte: "Dabei haben wir die Existenz von Wesel erst nachgewiesen. Die hiesigen Eingeborenen haben erstmals ein Filmteam gesehen. Vorher glaubten sie immer, wir Schauspieler seien im Fernsehkasten eingesperrt."

Autogrammjäger vom betagten Eulenspiegel bis zum mollig verpackten Wolf drängten sich um den Ordensträger, bis dieser schließlich mit dreifach donnernden "I ah" nochmals in der Bütt erschien und Betrachtungen zum Weltuntergang am 21. Dezember anstellte. Was da wohl alles verpasst worden wäre. Ein Freitag mit "Wer wird Millionär?", ein Weihnachtsfest mit Florian Silbereisen und die Flucht aus dem Dschungelcamp rüber zu Heidi Klum am Hungerhaken.

Für die Riesenfete hatte sich die Hansestadt eigens herausgeputzt. Auch Wesels Narren wussten, was sich gehört und überboten sich gegenseitig mit den tollsten Kostümen. Mit großem Tatütata erschien die Feuerwehr auf der Bühne: zehn Mann und ein Schlauch vom Kolping-Männerballett, zu dem sonst auch Prinz Michael II. gehört. Er war diesmal untätig zum Sitzen verurteilt. Denn sein Schatz Astrid I. hüpfte im Clinch mit Grippeviren schnell wieder ins Bett, nachdem ihre strapazierte Stimme nach kurzem Bühnenauftritt fast so wieherte wie Wesels Lieblingstier.

Der Einzug des Närrischen Parlaments mit Mariechen, Gardeoffizieren und den Ratsherren in ihren schneeweißen Halskrausen gelang prächtig. Viele Tänze brachten das Publikum stimmungsmäßig in Schwung: Jan und Nadine mit gewagten orientalischen Figuren. Das Kinderprinzenpaar stürmisch fit beim "Gangnam style". Die Kolpingsfamilie gymnastisch staunenswert beim Spagat. Die Prinzengarde nahm bei ihren akrobatisch gekonnten Türmen und Schrauben einen Storch unter die Fittiche. Die Tanzwieselchen kamen als Heidis in Dirndln und Glitzerhüten und boten nach ihrem feschen Tanz ein Schlussbild so unverwüstlich wie Felsen auf der Alm. Mit einem fernsehreifen Spinnentanz beschlossen die KVC Tanzwiesel das Programm.

Die größten Lacher kassierte ein Urviech von übergroßer Heidi und die Zwerge Crazy Krauts – zwei Akrobaten, die wahrhaft die Puppen tanzen ließen. Dass Heidi sich dabei aus Versehen mit der Motorsäge den Kopf absenste, machte rein gar nichts. Schwupp, saß er wieder obenauf.

Die witzigen Luftballonkostüme, die Jupp aus Oberhausen mit fliegenden Fingern drehte, gingen an Sparkassenchef Häfemeier (Taucherkostüm) und Helmut Westkamp (Hölüküpter = Hubschrauber). Noch eine Stunde lang hieß es tanzen und schunkeln bis zum Abwinken zur Live-Musik der "Albatrosse". Klares Fazit: "Mit dem Esel s(z)ieht man besser!"