Bericht der NRZ vom 02.03.2014

Karneval

Wesel hat mit Mia Mittelkötter eine neue Eselorden-Trägerin

02.03.2014 | 15:44 Uhr

Wesel hat mit Mia Mittelkötter eine neue Eselorden-Trägerin
Kabarettistin Lioba Albus alias Mia Mittelkötter ist die neue Eselordenträgerin. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp (l.) hielt die Laudatio auf die 38. Preisträgerin.Foto: Markus Joosten

Kabarettistin Lioba Albus ist für ihre Paraderolle der Mia Mittelkötter mit dem Eselorden ausgezeichnet worden. Eingebettet in ein mehr als vierstündiges Programm verlieh ihr Bürgermeisterin Ulrike Westkamp den Orden mit der Begründung: Mia hat das Sauerland und die Welt mit Humor missioniert.

Die sind mutig, die Weseler. Die verleihen ihren traditionellen Eselorden an eine Frau aus dem Sauerland. Das wundert sogar die Preisträgerin. Doch Lioba Albus, in ihrer Paraderolle der Mia Mittelkötter, verteilte gleich Komplimente ans Närrische Parlament und Bürgermeisterin Ulrike Westkamp: „Dass Sie sich solche Eselei zutrauen...“

Den Orden hat sich Mia Mittelkötter redlich verdient, bescheinigte ihr die Bürgermeisterin. Mia habe nicht nur das Sauerland und die Welt mit ihrem Humor missioniert, sondern sie bereichere auch die Riege der Eselordenträger um eine weibliche Note. Denn in diesem Bereich schwächele in Wesel die Frauenquote. Ansonsten könne man sich über zu wenig Frauen nicht beklagen. Selbst im Karneval hätte mit Prinzessin Anne I. eine Frau alleine das Sagen, reimte Ulrike Westkamp, die mit einer Krähe auf der Schulter die Bühne betrat und so den Bogen zur Tierwelt schlug.

Die Krähenplage in Büderich machte sie kurz zu ihrem Thema und versicherte den über 1000 Besuchern in der Niederrheinhalle, dass es die Büdericher wirklich schwer hätten. „Andauern fällt jemand über sie her. Ob Napoleon oder die Krähen, ist doch egal, die Folgen sind auf jeden Fall ziemlich fatal. Sollte sich eine Krähe zurück auf den Marktplatz wagen, werden die Büdericher sie garantiert bei Gericht verklagen.“

Ein mehr als vierstündiges Programm umrahmte die Verleihung des 38. Eselordens, bei dem vor allem die Weseler Karnevalsvereine beeindruckend präsentierten, dass sie sich auf die fünfte Jahreszeit ausgezeichnet vorbereitet haben. Rosenmontag kann kommen...

Margret Brüring

 

Bericht der NRZ vom 04.03.2014

Eselorden

Das neue Leben der Mia Mittelkötter

02.03.2014 | 18:45 Uhr

Das neue Leben der Mia Mittelkötter
Foto: Markus Joosten

Zu einer echten Viecherei geriet die Eselordenverleihung an die Kabarettistin Lioba Albus. Da stand nicht nur das bekannte Grautier auf der Bühne der Niederrheinhalle, es gesellten sich auch Krähen und sogar die Bremer Stadtmusikanten dazu. Die mehr als 1000 Besucher hatten jedenfalls ihre helle Freude, als die neue Eselordenträgerin schwärmte. „Bei Sie hier am Niederrhein is et einfach schön.“

Dabei fand es Mia Mittelkötter alias Lioba Albus ziemlich mutig von den Weselern eine Sauerländerin mit einem Karnevalsorden auszuzeichnen. „Ja, wir Sauerländer können auch lustig sein, aber wir lachen mehr so nach innen. Wir können uns richtig amüsieren, aber keiner merkt’s - wir auch nicht. Erst nach drei Tagen sagen wir dann manchmal, es war doch schön.“ Mia Mittelkötter gestand, dass sie es aushalten könnte, im Karneval mit „Bömskes“ beworfen zu werden, aber die Küsserei, das müsse nun wirklich nicht sein. Aber sie versprach gestern Morgen alles mitzumachen, was so dazu gehört, schließlich habe sie Temperament. „Wir sind ja die Kubaner unter den Westfalen. Vielleicht mehr Kuh- als Baner.“

Die armen Büdericher

Dass es auf der Bühne tierisch zuging, hat nicht zuletzt die Bürgermeisterin zu verantworten. Wieder einmal prächtig kostümiert, trug sie eine Krähe auf der Schulter, angesichts der Büdericher Krähenplage kein Wunder. Sie sei zu einer Krähenexpertin geworden, schilderte sie. Ihr täten die Büdericher leid. „Andauernd fällt einer über sie her. Ob Napoleon oder die Krähen - ist doch egal, die Folgen sind auf jeden Fall fatal.“ Ulrike Westkamp ist überzeugt: „Sollte sich eine Krähe zurück auf den Marktplatz wagen, werden die Büdericher sie garantiert verklagen.“

Von diesen Tieren kam die Bürgermeisterin leicht auf die Eselordenträgerin. Natur läge ihr am Herzen, sie versuche, ihre Fältchen mit Eselsmilch auszumerzen. Ganz nach dem Motto: Je faltiger die Haut, desto größer die Bewegungsfreiheit. „Klischees über Sauerländer widerlegt sie im Nu. Man höre nur ihrem alten Ego Mia Mittelkötter zu. Die Mia könnte glatt vom Niederrhein sein, denn auch wenn sie nix weiß, fallen ihr tausend Argumente ein.“ Die Begründung für den Eselorden schob Ulrike Westkamp gleich hinterher: Lioba Albus missioniere das Sauerland und die Welt mit Humor und bereichere die Riege der Eselordenträger um die weibliche Note. Ihrer Erwiderung stellte Mia Mittelkötter ein Preisrätsel, mit dem sie tierisch gut ankam: Was denn wohl ihr Kostüm darstellen sollte, fragte sie natürlich nur rhetorisch?

Bremer Stadtmusikanten

Die Antwort: Die Bremer Stadtmusikanten. „Auf dem Esel hab’ ich grad gesessen, Hund und Katze sind mir verreckt und den Hahn trag’ ich auf dem Kopf.“ Mit dem Orden, der „ihr Leben großartig verändern“ werde, ausgezeichnet, unternahm die Kabarettistin einen Parforce-Ritt durchs ganz normale Leben, bei dem allerdings die Männer nicht so gut abschnitten. „Der Eselorden passt zu mir. Seit über 30 Jahren habe ich einen zu Hause, er heißt Gustav. Die Eselpflege habe ich von der Pike auf gelernt.“

Die Besucher der 38. Eselordenverleihung waren begeistert und forderten eine Zugabe. Doch der Applaus galt nicht nur der neuen Ordenträgerin, sondern den vielen Akteuren (Info-Box), die den Vormittag zu einem Vergnügen werden ließen. Dass der Weseler Karneval dabei auf seine heimischen Kräfte zählen kann, zeigten die gelungenen Garde- und Showtänzen. Für gute Laune sorgten überdies die Auftritte der Karnevalsprinzessin Anne I. und des Kinderprinzenpaare Gianluca und Leonie. So war klar, dass am Ende alle der Aufforderung des Närrischen Parlamentes und seiner Präsidentin Ulla Hornemann folgten und den (W)Esel-Echo-Song anstimmten.

Margret Brüring

 

Bericht der Rheinischen Post vom 04.03.2014

Lioba Albus: Eselin mit frechem Mundwerk

 

Eselorden 2014 für Lioba Albus
 
Eselorden 2014 für Lioba Albus

 

Wesel. Rasante Tänze, flotte Sprüche: Mehr als 1000 gut gelaunte Jecken erlebten in der Weseler Niederrheinhalle eine abwechslungsreiche Eselordenverleihung mit Kabarettistin Lioba Albus als neuer Würdenträgerin im Mittelpunkt. Von Martha Agethen
 
 

Eine bunte Welt voller Narren hatte sich gestern in der Niederrheinhalle versammelt, um der neuesten Eselorden-Trägerin und Kabarettistin Lioba Albus alias Mia Mittelkötter den Hof zu machen. Aber auch an Karneval darf geweint werden, selbst wenn Wesels Esel noch so lustig-feurig-frech die Zähne bleckt. Gestern lüpfte so mancher Teufel, Cowboy oder Clown sein Taschentuch, als kurz vor Schluss die 42 Westerwaldsterne vom Tanzcorps Blau-Weiß Uckerath die Bühne stürmten. Sie sind Teil der berühmten Kölner "Muuzemändelcher". Ihre Gardetanzshow war schlichtweg einmalig große Klasse und wirkte dermaßen akrobatisch und abenteuerlustig, wie da die Tanzmariechen reihenweise bis hinauf zur Decke flogen, dass kein Auge trocken blieb. Da litt man mit, da zitterte man mit, da jubelte man mit.

Das Publikum kriegte sich gar nicht mehr ein vor Begeisterung; dabei hatte es doch Minuten zuvor erst wahre Begeisterungsstürme beim Auftritt der Eselsordenträgerin Lioba Albus losgelassen. Vorgestellt wurde diese von "Krähe" Ulrike Westkamp in ihrem schwarzen Federkleid: "In der Nonnenschule übte, sie Regeln zu brechen und unverblümt alle Tabus der Welt anzusprechen."

 

Gekonnt: Die Tanzwiesel des KVC zeigten in der Niederrheinhalle vor heimischem Publikum eine tolle Show. ekkehart malz

 

Fazit: "Lioba Albus ist für den Eselorden prädestiniert, weil sie das Sauerland und die Welt mit Humor missioniert." Und der war knackig: Die Sauerländerin setzte ein gar nicht säuerliches Lächeln auf, sondern prunkte strahlend und schick im figurnahen, roten Kleid mit Paillettenjacke hoch oben auf ihrem Esel. Sie hat immer viel Verständnis für die vernachlässigte, weibliche Zunft der Ehefrauen. Beispiel: "Wenn sich Frauen im Pelzmantel unter die Tiere im Streichelzoo mischen, dann tun sie das, um auch mal anjepackt zu werden."

Lioba hat ihre Eselspflichten von der Pike auf gelernt. Ihr Esel heißt Gustav, seit 30 Jahren. Sie bade täglich in Eselsmilch. Na ja: "Wir Sauerländer, wir können auch lustig sein. Aber der Sauerländer lacht mehr so nach innen!" Und später ergänzt sie: "Wir Sauerländer sind die Kubaner Westfalens. Mehr Kuh als Bahner." Seit 1972 ist die Dame im Bunde der Eselsordenträger erst die fünfte weibliche Würdenträgerin. Vor ihr wieherten Anka Zink, Steffi Neu, Helga Feddersen und Rita Süßmuth.

 

Allein diese Highlights hätten genügt, um eine Supersitzung zu zaubern und Wesels Karnevalisten glücklich zu machen. Aber die durften zu Beginn auch den Eigengewächsen zuschauen und da schon ihren Spaß haben. Zunächst stellte Moderator Hans-Peter Roelvinck zum Hit "Ich fahr Taxi" die zehn Hupfdohlen vom FKK vor. Sie zeigten in flottem Gelb LA's größtes Taxiunternehmen. Nach einem flotten Salto der beiden Herren kam Marilyn Monroe in einem kleinen Papptaxi vorgefahren. Zum Vorprogramm gehörte auch das Kinderpaar Prinzessin Leonie I. und Gianluca I.. Dessen Lungen sind in der laufenden Session aufs Doppelte angewachsen und so schrie er in sein Volk: "Seid ihr gut drauf?!" Fraglos. "Jaaa!" Der geborene Prinz!!

Die Prinzengarde schloss sich mit einem Tanz an. Die Tanzwieselchen des KVC erfreuten als entzückende Feen mit Goldteint und Goldschopf – in dieser Vielzahl einfach grandios. Die Albatrosse, stets Garanten für gute Unterhaltung, spielten Kölsche Lieder am laufenden Band. Und die KVC-Tanzwiesel turnten schlangenhaft durch ihren selbst erdachten Urwald. Ein lustiges gelbes Riesen-Luftballontier namens Bellinda Balloon wand sich durch die Vielzahl der Kappenträger.

Abgelöst wurden sie von den niederländischen Comedian Harmonists aus Deventer. Ein Doktor, ein Philosoph und ein Ratsherr – alles illustre Honoratioren in rabenschwarzen Fräcken und Bermuda-Shorts, todschick ergänzt von knielangen Socken. Mit "Mein kleiner grüner Kaktus" und "Veronika, der Lenz ist da" konnten sie nichts falsch machen. Ausgedacht hatten sie sich auch eine flotte Schenkelklopfer-Percussion.

Nach rund dreieinhalb Stunden fand die Sitzung ihr stimmungsvolles Ende.