Bericht der NRZ vom 28.02.2014

Karneval

Wehe, wenn sie losgelassen

27.02.2014 | 18:16 Uhr

Wehe, wenn sie losgelassen
Schnipp! Anne I., Ulrike Westkamp undder entschlipste Dirk Haarmann.Foto: Markus Weißenfels

Launig und singend erobern die Möhnen das Rathausfoyer. Von Sturm keine Spur - die Stadt ist eh in weiblicher Hand. Bürgermeisterin Westkamp paktiert mit den Närrinnen und erteilt einen Auftrag

Singend erschunkeln sie sich gestern die Macht im Rathaus, die Hexen, Edel-Lumpenclowninnen, die bissige Nussknackerin und das grüne Kätzchen: Stürmen müssen sie es nicht und für Gerangel gibt es ja auch keinen Anlass. Obermöhne Ulrike Westkamp überreicht Prinzessin Anne I. völlig kampflos den symbolischen Schlüssel, ganz solidarisch. Das ist in Wesel Frauensache. Kopf und Krawatte musste Dirk Haarmann hinhalten, auf Befehl der Chefin.

Dienstanweisung: bützen!

Aber eigentlich tun sie ja nichts, die Weseler Wiever. Sie wollen doch nur feiern. So bleibt der Erste Beigeordnete gewohnt gelassen. Selbst dann noch, als er eine ungewöhnliche Dienstanweisung erhält: Er soll so viele Weselerinnen wie möglich herzen, bevor er um die Macht im Voerder Rathaus antritt. Damit er sie in guter Erinnerung behält, meint die Bürgermeisterin. Au weia. Wer konnte auch ahnen, welche Dienstverpflichtungen so eine Karriere in der Verwaltung mit sich bringt? Kollege Klaus Schütz bleibt von solchen Heimsuchungen verschont, trauert seinem Schlips nicht nach und schunkelt zufrieden mit.

Die Menge - einige Männer haben sich unter das Weibervolk im Rathausfoyer gemischt - ist gut drauf. Und es sind die Fischerfrauen der Prinzengarde, die singend das Aufwärmen der Närrinnen übernommen haben. Sie trösten sie mit griechischem Wein über den Biermangel auf Hawaii hinweg, die Möhnen stimmen schnell in den Gesang ein. Heute hat der Amtsschimmel Pause, die Weiber sind los.

Ein bisschen leid tun sie der Ersten Bürgerin ja doch, die Männer. Westkamp appelliert an die jecken Wiever, auch ein wenig nett zu ihnen zu sein. Sie haben es ja auch nicht leicht, die Armen. „Dabei müssten die Männer es doch eigentlich wissen: Wir möchten sie gar nicht gänzlich missen...“

Frosch bleibt Frosch

Ob Prinzessin Anne I. diese Meinung teilt? Die Alleinregierende lässt diesen Eindruck gar nicht erst aufkommen. Launig und mit sichtlichem Genuss feuert sie die Möhnen an, die ihr herzlich zujubeln. Prinzessin sucht Prinz? Denkste!

Susanne Zimmermann